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Non-Verifying Feedback

Warum kritisches Feedback nicht automatisch zu Veränderung führt

Feedback soll Entwicklung ermöglichen. Doch was passiert, wenn die Rückmeldungen anderer unserem eigenen Selbstbild widersprechen? Eine aktuelle Studie zeigt: Entscheidend ist nicht nur, welches Feedback wir erhalten, sondern vor allem, wie wir es interpretieren.

Wer sich selbst beispielsweise als empathische und unterstützende Führungskraft erlebt, von seinen Mitarbeitenden aber als wenig zugänglich beschrieben wird, steht vor einem inneren Widerspruch. Solche Rückmeldungen können motivieren, das eigene Verhalten zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Sie können aber auch Verunsicherung, Ärger oder Abwehr auslösen.

 

Feedback als Bedrohung oder Entwicklungschance?

Dieser Frage sind Steele und Kollegen (2026) in ihrer Studie „I Am Not Who You Think I Am: The Role of Appraisal in Responses to Non-Verifying Feedback“ nachgegangen.

Im Mittelpunkt steht sogenanntes Non-Verifying Feedback: Rückmeldungen, die nicht mit dem eigenen Selbstbild übereinstimmen.

Die zentrale Erkenntnis: Wie Menschen auf widersprüchliches Feedback reagieren, hängt wesentlich davon ab, welche Bedeutung sie ihm für ihre eigene Identität zuschreiben.

Wird das Feedback als Bedrohung des eigenen Selbstbildes wahrgenommen, geht dies mit stärkeren negativen Emotionen einher. Wird es dagegen als Möglichkeit verstanden, das eigene Selbstbild weiterzuentwickeln, sind eher positive emotionale Reaktionen zu beobachten.

Das ist besonders für Führungskräfte relevant. Schließlich ist die eigene Vorstellung davon, eine gute Führungskraft zu sein, häufig ein wichtiger Bestandteil der beruflichen Identität. Kritisches Feedback kann deshalb weit mehr berühren als die Bewertung einzelner Verhaltensweisen.

 

Was bedeutet das für 360°-Feedback?

Gerade beim 360°-Feedback werden Führungskräfte systematisch mit unterschiedlichen Fremdperspektiven konfrontiert. Dabei treten häufig Diskrepanzen zwischen Selbst- und Fremdbild auf.

Die Studie legt nahe, dass solche Diskrepanzen nicht automatisch zu einer konstruktiven Auseinandersetzung führen. Entscheidend ist vielmehr, ob die Führungskraft darin eine Bedrohung ihrer Identität oder eine Chance zur persönlichen Weiterentwicklung erkennt.

Für die Gestaltung von 360°-Feedback-Prozessen ergibt sich daraus eine konkrete Empfehlung: Die Ergebnisrückmeldung sollte nicht bei der Präsentation des Feedbackberichts enden.

Ein professionell begleitetes Reflexionsgespräch kann dabei helfen, insbesondere kritische Rückmeldungen konstruktiv einzuordnen. Dabei sollten drei Fragen im Mittelpunkt stehen:

  • Welche Rückmeldungen überraschen mich oder widersprechen meinem Selbstbild?
  • Was lösen diese Rückmeldungen bei mir aus, und warum?
  • Welche konkreten Entwicklungsmöglichkeiten lassen sich daraus ableiten?

Wichtig ist dabei, kritisches Feedback nicht zu beschönigen. Vielmehr geht es darum, eine offene Auseinandersetzung zu ermöglichen, ohne dass die Führungskraft ihre gesamte persönliche oder berufliche Identität infrage stellen muss.

Die Studie liefert damit eine wissenschaftliche Begründung für die Bedeutung der subjektiven Feedbackverarbeitung. Ob ein begleitendes Reflexionsgespräch tatsächlich zu besseren Entwicklungsergebnissen führt, wurde allerdings nicht unmittelbar untersucht.

 

Unser Fazit: Feedback braucht mehr als einen guten Fragebogen

Ein wirksamer 360°-Feedback-Prozess sollte nicht nur aussagekräftige Rückmeldungen liefern, sondern auch deren konstruktive Verarbeitung unterstützen.

Denn der eigentliche Wert von Feedback entsteht nicht allein durch die Erkenntnis, wie andere uns sehen, sondern durch das, was wir aus dieser Erkenntnis machen.

Sie möchten Ihr 360°-Feedback so gestalten, dass aus Rückmeldungen konkrete Entwicklungsimpulse werden? Sprechen Sie mit uns! Wir unterstützen Sie dabei, Feedbackprozesse wissenschaftlich fundiert zu gestalten und Führungskräfte bei der Reflexion ihrer Ergebnisse zu begleiten.

 

 


Wissenschaftliche Quelle:
Steele, L. M., Hill, E., Jorgenson, J. & Arvan, M. (2026). I Am Not Who You Think I Am: The Role of Appraisal in Responses to Non-Verifying Feedback. Journal of Organizational Behavior, 47(1), 100–121.
https://doi.org/10.1002/job.70028 DOI

Oktober 14, 2026
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People-Pleaser-Feedback

Im TED-Vortrag “The Problem With Being ‘Too Nice’ at Work” erläutert die Sozialpsychologin Tessa West, wie übertrieben höfliches Feedback oft als Maske für Angst am Arbeitsplatz dient. Sie teilt Forschungsergebnisse, die zeigen, dass übermäßige Nettigkeit zu Missverständnissen und Kommunikationsproblemen führen kann und zeigt, dass bereits das Denken an eine ‚hässliche‘ Auseinandersetzung zu physiologisch messbaren Angstreaktionen führt – viel schneller, als man vielleicht vermuten würde. West betont die Bedeutung von authentischer und klarer Kommunikation, um effektiver zusammenzuarbeiten und ein gesundes Arbeitsumfeld zu fördern.

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Januar 17, 2025
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Der Illusory Truth Effect: Eine Herausforderung für Führungskräfte

Wiederholungen lassen uns falsche Aussagen glauben

In der modernen Arbeitswelt, in der Informationen in rasantem Tempo verbreitet werden, spielt die Wahrnehmung von Wahrheit eine zentrale Rolle. Einer der faszinierendsten psychologischen Effekte in diesem Zusammenhang ist der Illusory Truth Effect. Dieser Effekt beschreibt, wie Menschen dazu neigen, Informationen als wahr zu akzeptieren, wenn sie sie wiederholt hören – unabhängig davon, ob diese tatsächlich korrekt sind. Für Führungskräfte birgt dieser Effekt sowohl Chancen als auch Risiken.

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Januar 14, 2025
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Feedbackübermittlung

Wie man die Ergebnisse eines 360° Feedbacks am besten mitteilt – Studie zu Auswirkungen auf Feedback-Orientierung und Engagement

Die frei verfügbare Dissertation mit dem Titel „The Differences Between Mode of 360-Degree Feedback Ratings Delivery, Engagement, and Feedback Orientation“ von Christopher Plummer untersucht den Zusammenhang zwischen verschiedenen Methoden der Ergebnisübermittlung im Anschluss an ein 360-Grad-Feedback und Feedback-Orientierung bzw. Mitarbeiterengagement. Hier sind die wichtigsten Ergebnisse und Schlussfolgerungen:

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September 16, 2024
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Homeoffice 2024

Trend: Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben

Zuweilen finden sich in den Medien Berichte, dass Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurück in die Büros holen wollen, denn Präsenzarbeit ist der Arbeit im Homeoffice in einigen Punkten sicher überlegen. Eine Umfrage des ifo Instituts zeigt nun aber für Deutschland, dass drei von vier Unternehmen, in denen Homeoffice umsetzbar ist, keine Änderungen an ihren derzeitigen Regelungen planen. Nur 4% der Unternehmen wollen Homeoffice wieder abschaffen. Continue reading →

August 28, 2024
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Fehltage 2024

Trend: Immer mehr Fehltage

Wenn  die DAK auf Basis ihrer Versicherten Daten zu Absentismus im Job rausgibt, dann handelt es sich in Summe wahrscheinlich um eine recht repräsentative Datenlage, die wir als gute Beschreibung der Realität berücksichtigen sollten.

Im ersten Halbjahr 2024 sei laut DAK in Deutschland ein deutlicher Anstieg psychischer Erkrankungen zu verzeichnen, was sich in einem Anstieg der Fehltage um 14,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr widerspiegelt. Der allgemeine Krankenstand lag bei 5,7 Prozent, leicht über dem Wert des Vorjahres (5,5 Prozent). Durchschnittlich kamen versicherte Beschäftigte auf zehn Fehltage im ersten Halbjahr, und die Hälfte der Erwerbstätigen war mindestens einmal krankgeschrieben. Besonders betroffen sind psychische Erkrankungen, die bei Frauen einen höheren Anteil am Krankenstand haben (21 Prozent) als bei Männern (14,5 Prozent).

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August 27, 2024
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Mitarbeiterzufriedenheit

Warum der Net Promoter Score (NPS) vielleicht doch nicht so toll ist

Der NPS ist quatsch, meint Jared M. Spool. Das finden wir zwar nicht, denn Jared macht sich da die Welt etwas zu einfach. Allerdings hat er mit manchen Gedanken aus unserer Perspektive einen Punkt. Aber erstmal einen Schritt zurück.

Der Net Promoter Score (NPS) ist eine Kennzahl, die angibt, wie wahrscheinlich es ist, dass Kunden ein Unternehmen oder Produkt weiterempfehlen würden. Er wird gerne verwendet, weil er einfach zu verstehen und zu berechnen ist und eine direkte Messung der Kundenzufriedenheit und -loyalität bietet. Unternehmen nutzen ihn, um Schwächen zu identifizieren und Verbesserungen vorzunehmen.

Bei HOLTMEIER & FRIENDS geht es bekanntlich weniger um Kunden-, sondern mehr um Mitarbeiterzufriedenheit. Entsprechend wandeln wir die NPS-Frage in Anlehnung an Aguinis & Burgi-Tian (2021) und Rose (2018) immer etwas zu einem ein Performance Promoter Score (PPS) ab. Der Score wird analog zum NPS auf Grundlage einer 11-stufigen Skala von 0 bis 10 aus dem Prozentsatz der Bewertungen mit 9 und 10 minus dem Prozentsatz der Bewertungen zwischen 1 und 6 berechnet. Er streut also zwischen -100 und +100. In Anlehnung an den NPS beinhaltet die Leistungsmessung mit dem PPS häufig die folgenden drei Fragen: Continue reading →

Juli 1, 2024
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Bring deinen Hund mit zur Arbeit Tag

Intelligenzforschung bei Hunden (zum morgigen Nimm-Deinen-Hund-mit-zur-Arbeit-Tag 2024)

Der Nimm-Deinen-Hund-mit-zur-Arbeit-Tag wird in diesem Jahr morgen, also am 21. Juni 2024 gefeiert. Der Tag liegt immer am Freitag nach Vatertag. Wir hatten in diesem Blog schon häufiger Beiträge (hier & hier), die erkennen ließen, dass wir Hunde im Büro für eine grundsätzlich eher gute Idee halten. Anlässlich des diesjährigen internationalen Bürohundtages ziehen wir eignungsdiagnostische Parallelen zwischen der Intelligenz von Menschen und der von Hunden und stellen wenig erstaunt fest: es gibt sie 😉

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Juni 20, 2024
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Gehälter

Jobs und wie sich die Bezahlung dafür über die letzten Dekaden verändert hat

Eine tolle Visualisierung der sich über die Jahrzehnte verändernden Einkommen für alle möglichen Berufe findet sich bei Flowingdata. Human Resources Managers sind ganz oben mit dabei. Natürlich nicht auf Basis von deutschen Daten – leider.

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Juni 13, 2024
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Happy survey user

360° Feedback mit kurzem Fragebogen

Ein schon etwas älterer Artikel von Braddy, Fleenor und Campbell (2008) beschreibt die Entwicklung einer Kurzversion für ein insgesamt 16 Dimensionen (115 Items) umfassenden amerikanischen 360° Feedback-System. Die Autoren begründen die Notwendigkeit der Kurzversion mit Befragungsmüdigkeit und „over-surveying“. Heute, im Jahr 2024, werden Feedbacksysteme zuweilen unter den Stichworten „Ongoing Feedback“ oder auch „Continuous Feedback“ als hochfrequenter Tools positioniert. In Zeiten von Zusammenarbeit über Distanz und über digitale Medien, bei gleichzeitiger Reduktion persönlicher Kontaktpunkte, ist aus unserer Sicht dieser Trend durchaus sehr nachvollziehbar. Zugleich jedoch auch Anlass genug, bestehende Instrumente dahingehend zu optimieren, dass Sie kürzer werden, ohne wesentlich an Aussagekraft und Nützlichkeit zu verlieren.

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März 22, 2024
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Tätigkeitsnaher Leistungstest zur Selektion
360° Auswertungsgespräche
Kompetenzmodelle entwickeln
Nutzen eignungsdiagnostischer Prozesse bestimmen

 

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